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Jenseits der € 1,99 - Aus einem Leben als Unwissender - Teil 4

 

Es gibt Menschen - und zu denen gehöre ich bekennenderweise auch - die lieben an Weihnachten besonders die Zeit davor, in denen wir für unsere Lieben losziehen und nach Geschenken suchen.

Auch wenn ich persönlich meist ziemlich genau weiß, nach was ich schauen möchte, lass ich mich auch immer wieder liebend gerne inspirieren: Von Verpackungen, Produktversprechen oder - Simpel, der ich bin - von kleinen Gimmicks, die beim Produkt mit dabei sind.

 

Der Wein muss trocken sein

 

Ähnlich gehe ich eigentlich auch beim Wein vor. Ich weiß, ich möchte beispielsweise einen trockenen Weißwein, der aber auch ein bisschen Frucht hat und mich nicht bis ins dritte Glied meiner Nachkommenschaft verarmen lässt … nach Hause komme ich mit einer überteuerten Rosé-Plörre, die nur mit gutem Willen halbtrocken zu nennen ist und nur wirklich schmeckt, wenn man den Mund zuvor durch exzessives Lutschen von Eiswürfeln betäubt.

Wie es dazu kommen konnte? Nun, zum einen war es eine wirklich sehr hübsche Flasche mit einem sehr zurück haltend gestalteten Etikett - das zeugt von Klasse und spricht den humanistisch gebildeten Menschen in mir nun mal an. Zum zweiten war der Wein von Brad Pitts und Angelina Jolies persönlichem Weingut in Frankreich und noch dazu in limitierter Auflage - da musste ich doch einfach zugreifen (scheiß auf Humanismus).

 

Meine Frau hasst es

 

Meine Frau war nicht unbedingt begeistert, dass ich gleich einen ganzen Karton von dem Zeug gekauft hatte - schon gar nicht, nachdem wir die erste Flasche geköpft hatten und uns, nach dem ersten Schluck, mit recht fassungslos aufgerissenen Augen anstarrten. Anschließend murmelte das Eheweib nur „Aha!“, stellte das Glas resolut zurück auf den Tisch und überließ es mir, mich mit dem Rest in der Flasche rum zu schlagen. Allerdings hielt es sie nicht davon ab, die übrigen fünf Flaschen gewinnbringend auf ebay zu verhökern … wahrscheinlich an Menschen, wie mich.

 

Das Beuteltier am Flaschenhals

 

Dabei habe ich mich schon gebessert. Ich habe jahrelang immer wieder einen australischen Rotwein gekauft, weil um die Flasche ein kleines, goldenes Plastik-Känguru an einem goldenen Gummiband baumelte. Fancy stuff - musste ich haben. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich den Wein sehr gut oder sehr schlecht fand, aber ich weiß (und wusste eigentlich schon damals), dass ich für 2,98 € die Flasche nicht unbedingt Qualitätsware erwarb.

Und dennoch winkte mir das mistige Beuteltier am Flaschenhals in schöner Regelmäßigkeit zu und so landete der Wein alle paar Wochen in meinem Wagen. Bis ich irgendwann feststellte, dass wir ihn eigentlich gar nicht tranken und meine Frau mich anpflaumte, dass über ein Dutzend Flaschen davon im Keller vor sich hin gammelten. Was aus denen wohl geworden ist?

 

Eine muss Schuld sein

 

Ich behaupte, meine Mutter ist Schuld. Im Ernst - sie hat mir selbst erzählte, dass sie mich mit zarten drei Jahren angeblich davon abhalten musste, mich in den Alkoholismus zu stürzen. Klingt löblich, aber was hat sie nur angerichtet, als sie damals eine Flasche Perlwein mit dem schönen Namen „Kellergeister“ kaufte.

Laut meiner Mutter fand ich das goldene und stark verzierte Etikett, mit einem Mönch und zwei Teufelchen, so verlockend und großartig, dass ich Himmel und Hölle in Bewegung setzte, um einen Schluck aus der Pulle zu ergattern. Natürlich durfte ich nicht, war maßlos enttäuscht und mache daher dieses Kindheitstrauma mit dafür verantwortlich, dass Flaschen mit toller Aufmachung mit Leichtigkeit den Weg in meine Einkaufstüten finden. Unerfüllte Träume eben.

 

Die Geister, die ich rief

 

Und erstaunlicherweise gehen die Folgen sogar noch weiter, denn mit fast 29 Jahren stieß ich auf einer Party per Zufall auf meine langvermissten „Kellergeister“ und tat endlich einen kräftigen Zug … und seitdem weiß ich - gut, „witziger“ Perlwein ist echt nichts für mich. Hält mich das davon ab, jeden verdammten Mai dieses Zeug mit den blöden Geistern zu kaufen (und es anschließend im Juni - unter dem Hohngelächter des geliebtes Weibes - wieder weg zu kippen). Selbstverständlich nicht! Warum? Vielleicht fragen Sie meine Mutter?

Ich bin froh, dass es inzwischen auch guten Wein in coolen Flaschen gibt - besonders hübsch find ich übrigens derzeit die Etiketten der Weinfamilie Weinmann … aber ich kenn ja auch noch nicht so viele.



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