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Schwer und Rot – so weit das Auge reicht

Die Amerikaner und der Wein Teil 3


Es ist Sommer, mit 30 Grad relativ warm und ich bin auf Weinentdeckungsreise durch Kalifornien. Ich habe faszinierende Erlebnisse gehabt, bei denen ich gleich mal ein ganzes Weingut kaufen sollte und auch erschreckende, bei denen ich Weinproben mit dem gleichen Glas für verschiedene Rot-und Weißweine machen mußte.

 

Aber trotzdem ist diese Weingegend hier schon sehr faszinierend. Und gefühlt eben komplett anders als in Mitteleuropa.
Klar, es ist ja auch ein anderes Land und Klima, aber darum soll es nicht gehen. Es ist wieder etwas scheinbar typisch amerikanisches, was hier zum Vorschein tritt. Im Napa-, Sonoma- und ein paar Tälern südlich heißt es - während bei solchen Temperaturen in Europa ganz klar der Weißwein den Vorrang bekommt, ist hier Rotwein der Heilsbringer. Die Leute schwitzen, kommen mit Flip-Flops an die jeweiligen Verkostungstheken und lassen sich CabSav oder Zinfandel der schwersten Form einschenken, als gäbe es kein morgen.

Und während ich noch so frage, ob es vielleicht auch noch einen Weißen zum Verkosten gibt und der freundliche Mensch gegenüber schon so schaut wie „Ach du europäischer Tourist....“ ist beim Blick in die Karte auch auf den Hügeln rund um das Silicon Valley alles klar. Unten erforscht Google, Facebook und Apple die Leichtigkeit des Seins, oben wird die Sonne rot in Flaschen gepresst.

 

Sie sind eben stringent und gradlinig sagt der Mann neben mir und nimmt gleich ein paar 2013er Flaschen Cabernet Sauvignon mit. Macht nichts, denke ich mir – gleich ist er mal 500 Euro los.

 

Und so kommen wir ins Gespräch, der freundlich lächelnde Herr vom Weingut, dem man leider ansieht, dass er auch selbst heute schon einige Rote aus „Solidarität“ mitprobiert hat, ist auch mit von der Partie. „Wie wäre es denn mit einer schönen leichten Zwischenlösung, einem Rosé?“, lautet natürlich meine nächste Frage. Gerne, aber ich müsste dann schon von meinem Wunsch nach trockenen Wein Abstand nehmen, erzählten mir beide im gleichen Moment. „Warum?“ Und jetzt kam sie wieder, die Kulturkeule, von der ich natürlich gerade mal 50 Prozent glauben kann, aber die reichen ja schon aus, um erstaunt zu sein.

Erklärung des Winzers: Außer bei richtigen Rotweinen und ganz hellen Weißweinen wie dem Pinot Gris/Grigio wollen amerikanische Käufer vorwiegend sehr liebliche bis süße Weine. Und wenn ich nun nach einem Rosé frage, dann wird das wohl so ein Wein sein, denn sobald ein Getränk nur im Ansatz solch eine blumige Obstfarbe wie rosa oder hellrot hat, nimmt der Käufer über dem großen Teich an, das muss süß sein – es sieht ja schließlich auch schon bonbonfarben aus. Bei dunkelroten wäre das nicht so, aber bei Rosé würde ich hier in der Umgebung zu 90 Prozent Pech haben, wenn ich nach einem trockenen seiner Art frage.
Aha.

Die Logik soll also sein – was bunt ist muss auch bunt schmecken. Ich weiß nicht so recht, aber konsequent wäre es. Sie sind einfach anders, aber um das kennenzulernen muß man hinfahren. Es ist ja schließlich eine atemberaubende Natur mit immer wieder neuen Erkenntnissen.

I´ll be back.



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