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So werde ich Winzer!

 

Viele Weinberge werden von Weinbauern bewirtschaftet, welche das Handwerk quasi in die Wiege gelegt bekommen haben. Winzer aus Familientradition als Erbe des elterlichen Betriebes scheint also die Regel zu sein. Doch auch Quereinsteiger können es Schritt für Schritt bis zum eigenen Weinberg schaffen und damit durchaus erfolgreich sein, wie viele Weinbauern, die aus völlig artfremden Berufen kamen und erfolgreich umgesattelt haben beweisen.

 

Traumberuf Winzer?

Warum nicht, Wein ist allseits beliebt. Mehr als 20 Millionen Hektoliter fließen jährlich durch die Kehlen der Deutschen. Ohne Winzer blieben die Gläser leer und die Kehlen trocken. Zweifelsfrei ist Winzer also ein Beruf mit Zukunft und welche Branche kann dies schon von sich uneingeschränkt behaupten. Wer den Beruf erlernen möchte, der sollte sich natürlich mit den Reben ein Stück weit verbunden fühlen und die Arbeit unter freiem Himmel und bei jedem Wetter nicht scheuen. Winzer müssen sich um die Weinlese kümmern, sie keltern den Wein und tragen dafür Sorge, das der Rebensaft ordnungsgemäß in Flaschen abgefüllt und natürlich auch vermarktet wird.

Winzer werden kann auf zwei Wegen erfolgen, nämlich über eine klassische Ausbildung oder über ein Studium. Die Ausbildung zum Winzer dauert drei Jahre. Abiturienten können die Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzen. Die Ausbildung führt die Jugendlichen meist in den Weinberg und das bei jedem Wetter. Auch im Weinkeller werden die angehenden Winzer zugange sein und die Herstellung überwachen und kontrollieren.

 

Die Ausbildung zum Winzer im Einzelnen

Die Azubis werden im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule angelernt. Das Spektrum umfasst den kompletten Weg der Traube von ihrem Anbau bis zu ihrer Vermarktung. Zur Ausbildung zählt das nötige Know How, um Jungpflanzen fachgerecht in den Boden zu bringen oder die Weinstöcke richtig zu beschneiden. Die Traubenlese werden die Azubis sowohl von Hand vornehmen, als auch Maschinen zu Hilfe genommen werden und deren Bedienung vermittelt wird. Wer keinen Spaß an körperlicher Arbeit im Freien findet, sollte vielleicht einen anderen Ausbildungsberuf ergreifen. Von Vorteil für eine Ausbildung zum Winzer sind ein feiner Sinn für Geschmäcker und Gerüche. Eine sorgfältige Arbeitsweise wird ebenso vorausgesetzt, wie Interesse für Mathematik und Biologie von Vorteil sind. Der Wein macht es nicht allein. Die künftigen Winzer erwartet ein breites Betätigungsfeld mit vielen unterschiedlichen Aufgaben, bis die Trauben in überzeugender Qualität in die Flaschen abgefüllt werden.

Von den Weinbaubetrieben in den deutschen Weinregionen werden jährlich etwa 850 Auszubildende übernommen. Entlang des Rheins finden die angehenden Winzer die größten Chancen auf einen festen Job im Weinberg. In den drei Ausbildungsjahren verdienen die Azubis zwischen 500 und 640 Euro Brutto. Nach der Lehre stehen den frisch gebackenen Winzern alle Bereiche der Weinherstellung offen. Der Weinbau, die Kellerwirtschaft, der Vertrieb und die Vermarktung sind Bereiche, wo gute Aussichten auf eine Anstellung vorhanden sind. Ein Winzer muss also nicht allein im Weingut arbeiten, auch eine Beschäftigung bei Winzergenossenschaften oder Handelsunternehmen ist denkbar. Winzer können mit einer monatlichen Grundvergütung von etwa 1.700 Euro Brutto rechnen.

 

Winzer auf der Kariereleiter

Ist die Lehre abgeschlossen, können Winzer verschiedene Fortbildungen aufnehmen. So ist es möglich, sich zum Meister oder zum Staatlich geprüften Techniker ausbilden zu lassen. Ein weiterführendes Studium ist ebenfalls eine Option. Verschiedene deutsche Fachhochschulen und Universitäten haben Studiengänge wie Weinbauwirtschaft, Weinbau oder Oenologie im Portfolio. Winzer, die weiter die Schulbank drücken wollen, können die Abschlüsse Bachelor, Master und Diplom-Ingenieur erreichen.

Im Rhein-Main-Gebiet ist das Angebot entsprechender Studienrichtungen am größten. An der in Geisenheim ansässigen Fachhochschule RheinMain wird zum Beispiel der Studiengang “Weinbau und Oenologie” angeboten. Wer es im Weinbau ganz nach oben schaffen möchte, sollte über ein weiterführendes Studium nachdenken. Winzermeister hatten es vor wenigen Jahren noch recht einfach, die Kariereleiter hoch zu klettern. Steigende Anforderungen haben jedoch dazu geführt, das vielerorts Bewerber ohne Hochschulabschluss beinahe chancenlos sind.

Zwei Fliegen mit einer Klappe lassen sich beim dualen Studium schlagen. Parallel zur Winzer-Lehre wird ein Hochschul-Studium absolviert. Die Studieninhalte sind mit Marketing, Betriebswirtschaft, Biologie, Mathematik oder Chemie breit gefächert. Inhalt des Studiums ist auch die Verkostung der Weine. Man sollte also dem Rebensaft nicht abgeneigt sein.

 

Winzer auf dem zweiten Bildungsweg - die Umschulung

Winzer ist nicht nur als Einstieg in die Berufswelt eine Option, vielleicht möchten Sie aus Ihrem stressigen Job aussteigen und sich als Weinbauer versuchen. Dem steht nichts im Wege, denn auch die Umschulung zum Winzer ist durchaus ein Bildungsweg, der nicht selten gewählt wird und für viele Anwärter die Verwirklichung der eigenen Wünsche und Ziele zum Inhalt hat.

Der Anbau von Wein ist zwar nicht zwingend mit einer Ausbildung zum Winzer verbunden, aber wer erfolgreich in das Weingeschäft einsteigen möchte, der tut gut daran, den Weinbau von der Pike auf zu erlernen und mit Tipps und Tricks vertraut zu sein, die Laien nur selten beherrschen. Die Umschulung zum Winzer kann Sie nicht nur in Weingüter führen. Rund um den Weinbau haben sich weitere Tätigkeitsfelder etabliert. So können sich angehende Winzer später auch in Weinkontoren oder Laboren wiederfinden.

Vorraussetzungen, Anforderungen und Trends
Der Beruf des Winzers scheint ausgesprochen attraktiv, denn auch viele Prominente sind längst unter die Weinbauern gegangen und erfreuen sich der eigenen Trauben. Der Traumberuf Winzer steht also hoch im Kurs. Günther Jauch wird als Weinkönig an der Saar gefeiert, in Mainz steht ein ganzer Prominentenweinberg und Brad Pitt und Angelina Jolie haben als Neuwinzer bereits renommierte Preise für sich verbuchen können.
Als idealer Weinbauer müssen Sie nicht unbedingt besonders trinkfest sein. Der Umgang mit Lebensmitteln und Getränken sollte Ihnen jedoch liegen. Zukünftige Weinbauern sollten körperlich fit sein, denn die Arbeit in den Weinbergen ist oft anstrengend, besonders dann, wenn sich die Reben in Hanglage befinden und der Einsatz entsprechender Gerätschaften nicht möglich ist.

 

Die Anforderungen an künftige Weinbauern nochmals zusammengefasst:

- gut ausgeprägter Geschmacks- und Geruchssinn
- körperlich belastbar
- technisches Verständnis
- interessiert an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln
- zuverlässig, selbstständig und verantwortungsbewusst

Schaut man als Winzer nach Stellenangeboten, dann ist der Markt durchaus überschaubar. Viele Winzer arbeiten auf ihren eigenen Weingütern und nehmen kaum Fremdaufträge an. Es ist von Vorteil, Winzer zu kennen und über das dortige Netzwerk in die Betriebe zu gelangen. Möglich sind auch Einsätze im Ausland, welche den Horizont erweitern helfen. Bewerbungen im klassischen Sinne werden unter Winzern selten verfasst, man vertraut eher einer guten Mund-zu-Mund-Propaganda.

 

Der Weinbau von Morgen

Der Beruf des Winzers wird garantiert nicht aussterben. Die Zahl der ausgebildeten Winzer hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Deutscher Wein ist beliebt und wird auch international verstärkt nachgefragt. Schauen wir noch etwas weiter in die Zukunft, dann kommt den Winzern mit Sicherheit auch der Klimawandel zu Gute. Steigt das Thermometer, dann werden auch bald im Norden Deutschlands günstige Weinbedingungen herrschen und der Weinberg im Sylter Keitum wird sicher Konkurrenz erhalten. Wer also nach einem zukunftsträchtigen und spannenden Beruf sucht, der ist als Winzer auf einem guten Weg.
 



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