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Was steht auf dem Etikett?

 

Hübsch aufgereiht auf den Regalen sind manche Weine schon allein auf Grund ihres Etiketts geradezu dafür bestimmt, im Einkaufswagen zu landen.

Doch ist ein aufwendiges Etikett wirklich ein Hinweis auf einen ebenso tollen Wein und was muss oder darf eigentlich auf ein Etikett? Wer sich von hübschen Etiketten zum Kauf verleiten lässt, wird vielleicht sich einen wirklich qualitativ hochwertigen Wein mit einem einfacheren Etikett entgehen lassen.

Beschäftigen wir uns also ein wenig mit den Weinetiketten und lernen dabei, auch zwischen den Zeilen zu lesen.

 

Seit wann gibt es Weinetiketten?

 

Hier werden Sie überrascht sein, denn schon vor tausenden von Jahren musste man den Wein irgendwie auseinander halten können. Im Grunde haben die Sumerer die Etikettierung bereits vor 6.000 Jahren eingeführt.

Sie ritzten kurzerhand die notwendigen Angaben direkt in die Flaschen oder verwendeten Rollsiegel. Die Griechen und Römer begnügten sich nicht mehr mit dieser einfachen Art der Beschriftung.

Fortan wurden die Flaschen mit kunstvoll gestalteten Anhängern verziert. Bis das eigentliche Papieretikett in Umlauf gebracht wurde, mussten noch viele Jahrhunderte vergehen.

Der F.M. Schloss Johannisberger Cabinets Wein Jahrgang 1822 trug das erste nachweisliche Papieretikett der Weingeschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts war es dann allgemein geläufig, Papieretiketten zu nutzen.

 

Ein Etikett macht noch keinen Weinkenner

 

 

Um einen Wein genau zu kennen, sollte man ihn eigentlich öffnen und probieren. Wo dies nicht möglich ist, tritt das Etikett an diese Stelle und informiert uns, mit welchem edlen Tropfen wir es zu tun haben.

Wer Etiketten lesen lernt, der wird in etwa wissen, was ihn erwartet und erkennen, ob der Wein zu ihm passt oder eben nicht. Ziel der Etikettierung ist es, möglichst genau und vor allem wahrheitsgemäß Auskunft zu geben, was uns in der Flasche erwartet.

Dabei kann nicht jeder Winzer nach Lust und Laune seine Weine beschriften. In jedem Land gibt es bestimmte Vorgaben, die regeln, was aufs Etikett muss oder darf.

Fällt auch oftmals der erste Blick auf den Preis, für den Weinkenner entscheidend sind Angaben über den Erzeugerbetrieb, die verwendeten Trauben und das Herkunftsgebiet.

 

Was muss auf das Etikett?

 

In den letzten Jahren sind die Regelungen EU-weit angeglichen worden. Die Angaben, die klar leserlich auf dem Etikett erscheinen müssen, sind genau festgelegt. Dabei werden sogar die erlaubten Schriftgrößen vorgegeben.

 

Die Qualitätsstufe

 

Auf jedem Etikett ist die Qualitätsstufe zu finden.

Für den alltäglichen Trinkgenuss kann also ein Qualitätswein oder Kabinett ausgewählt werden.

Bei französischen Weinen entscheidet man sich für einen A.C. und beim italienischen Rebensaft für einen D.O.C. Diese Qualitätsstufe ist noch kein ausreichendes Kriterium für die letztliche Weinwahl.

In Deutschland sind die Qualitätsstufen mit Tafelwein, Landwein, Qualitätswein oder Qualitätswein mit Prädikat recht umfangreich. Hinzu kommen die Weinprädikate: Kabinett, Auslese, Spätlese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese oder Eiswein.

 

Die Herkunft

 

Die geografische Herkunft des Weines muss nicht zwingend auf dem Etikett vermerkt werden. Bei manchen Qualitätsstufen ist es jedoch vorgeschrieben.

Auch wenn es keine Vorschrift ist, genannt werden darf die Herkunft natürlich auf jedem Etikett. Auf jedem Etikett deutlich zu erkennen sein muss dagegen der Abfüller. Neben dem Winzer muss auch der Ort genannt werden, wo sich der Weinbetrieb befindet.

Der Weinliebhaber erkennt beim Studium des Etiketts nun genau, ob der Wein unweit seines Entstehungsortes oder in einer Großkellerei abgefüllt wurde. Erfolgt die Abfüllung direkt beim Erzeuger, dann dürften Sie es mit einem guten Qualitätswein zu tun haben.

 

Die Prüfungsnummer

 

Qualitätsweine werden einer entsprechenden Prüfung unterzogen und erhalten nach bestandenem Test eine amtliche Prüfungsnummer. Aus dieser Nummer kann der Weinkäufer nicht viel über den Wein an sich in Erfahrung bringen.

Die Zahlen stehen für den Sitz des Weinbetriebes oder des Winzers, enthalten die Betriebszahl der Kellerei und eine laufende Antragsnummer. Wann die Prüfung durchgeführt wurde, ist aus den letzten beiden Ziffern der Prüfnummer ersichtlich.


 

Alkoholgehalt, Nennvolumen und Sonstiges

 

Kein Etikett ohne Hinweis darauf, wie schnell Ihnen der Wein zu Kopfe steigt.

Der Alkoholgehalt muss dabei zwingend in Volumenprozent angeben werden. Es sind unterschiedliche Flaschengrößen auf dem Markt. Daher muss auch stets das Nennvolumen genannt werden. Im Klartext steht dies für den Inhalt in Litern.

Häufig finden Sie auch den Vermerk: “Enthält Sulfite”. Diese Angabe darf seit dem Jahre 2006 auf keiner Weinflasche fehlen und gibt Hinweis darauf, dass die Weine während des Herstellungsprozesses geschwefelt wurden.

Seit 2012 ist auch der Hinweis auf eiweißhaltige Schönungsmittel Pflicht. Dabei kann es sich um Ovalbumin oder Kasein handeln.

 

Was darf auf die Flasche?

 

Die folgenden Angaben sind kein Muss, aber auch kein Fehler und für den Weinkäufer durchaus nützlich auf dem Weg zum passenden Wein.

 

Der Jahrgang

 

Am Jahrgang erkennen Sie auf den ersten Blick das Geburtsdatum des Weines.

Doch Sie erfahren hier nicht nur das Alter, es lassen sich auch Rückschlüsse auf die Weinqualität schließen. Dies trifft besonders auf Weine aus Deutschland, Österreich oder Frankreich zu. Das Wetter spielt uns häufig einen Streich und bei ungünstiger Witterung war auch die Weinlese entsprechend.

Wer sich hier also ein Stück weit als Wetterfrosch betätigt und recherchiert, wie das Wetter im entsprechenden Jahr in der jeweiligen Region war, der wird einige Rückschlüsse auf den Geschmack des Weines ziehen können.

 

Die Rebsorte

 

Viele möchten diese Angabe nicht missen, hat doch jeder Weinliebhaber seine bevorzugten Trauben.

Aber vorgeschrieben ist die Angabe der Rebsorten nicht. Dabei darf eine Rebsorte angegeben werden, wenn ihr Gesamtanteil bei mindestens 85% liegt. Bei Verschnitten aus zwei Trauben werden beide Rebsorten genannt.

 

Zusätzliche Angaben

 

Hilfreich für die gezielte Weinwahl sind auch die seit dem Jahre 2007 erlaubten Zusatzangaben. Der Kunde findet häufig Verweise auf die empfohlene Trinktemperatur oder bekommt verraten, das der Wein zum Beispiel besonders gut zu Käse oder Wild passt.

 

Und was steht zwischen den Zeilen?

 

Sie haben das Etikett genau studiert und über den Geschmack nichts erfahren?

Richtig, denn hier liegt die Herausforderung an den Weinfreund, das Studium der Etiketten zu perfektionieren und durch gezielten Weinkonsum Eindrücke über den Geschmack zu gewinnen, der einen Vergleich mit den Angaben auf den Etiketten zulässt. Zahlreiche Siegel und Prämierungen weisen auf Qualitätsweine hin.

Doch letztlich bleibt der Weinkauf in erster Linie Geschmackssache und wer gibt schon gern all seine Geheimnisse Preis, ohne das man ihn näher kennengelernt hat.
 



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