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Zoutzoukos oder richtiger Wein?

Die Insel der Götter, das Bad der Aphrodite, der genauso bezeichnete Felsen – wer im Spätherbst nach Zypern reist, will genießen und weiß , dass er genau das hier perfekt kann. Fast noch 30 Grad, ein warmes Meer und ein leichter Wind – ach was kann Sommerluft alles für das Wohlbefinden tun. Und weil die Sonne so schmeichelhaft daherkommt, als hätte es gar keinen Sommer mit Hitze und Dürre gegeben, sucht das Auge ganz automatisch das natürliche Grün am Wegesrand. Doch davon ist nicht mehr so viel übrig. Außer, ja außer an der Pflanze schlechthin – am weltweiten Dürreistmirdochegalstrauch – am Wein natürlich.

Aber bei dieser Energie, die täglich vom Himmel scheint, selektiert der Kopf schon mal aus, bevor der erste Winzer überhaupt in Sichtweite ist. Weißwein....kann gar nicht gehen. Viel zu warm, viel zu süß, viel zu viel von allem. Rotwein, na klar ...Griechen, äh Entschuldigung Zyprioten und guter Rotwein hätte man schon mal früher gehört oder gelesen oder im besten Fall sogar danach getrunken. Ein Prost auf all unsere so hervorragend kultivierten Vorurteile, die es galant vermögen, uns schnurstracks in die Kopfeinbahnstraße zu bugsieren.

Widerstand ist gefragt. Und heute widerstehe ich. Auf jeden Fall. Was besonders Besonderes wird es zwar nicht werden, aber bestimmt gar nicht so schlecht. Letztes Jahr war es ja ähnlich. Da hatten wir schon heimkehren wollen und sind dann am französischen Kreisverkehr richtig falsch abgebogen und standen plötzlich neben einem großen Stromverteiler am Hintereingang vom Weingut. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Ohne Geld, aber mit kistenweise Wein eines englischen Winzers, der in Südfrankreich händisch angebaut und verarbeitet hat, sind wir glücklich nach Hause gefahren.

Wie auch immer der dieser Abzweig von Zypern nach Frankreich jetzt kam, history is repeating. Und gleich noch eine Plattitüde hinterher – Interessiere Dich und Dir wird geholfen. In einem Anflug von „Kenn ich schon“, „was soll schon kommen“ und „zeig mal was“ schlürfe ich in die nagelneue, strahlendweiße Weinfabrik genau in der Mitte der Insel. Der Inhaber kommt in Arbeitsjeans und offenem Hemd direkt an und streckt die Hand aus. Andreas heißt er. Na gut, dann eben heute mit Andreas und seinem Wein.

Er habe nur lokale Rebsorten und ist das erste kommerzielle Weingut der Insel schreibt er in seine Broschüre, die sofort von ihm zum mir wandert und ab jetzt wird das alles anders. Denn Andreas fängt an, ins Schwärmen zu kommen, und irgendwie schleicht da ein Gefühl von, „dem hör ich gerade echt gern zu“ , an. Er würde nie etwas anbauen und die anderen auf der Insel könnten das ja machen, aber er nicht und schon füllt sich ein halbtrockener Weißwein als Nummer 2 in mein Glas. Und nachdem der erste eher die Konsistenz eines Semillons ohne Sonne hatte, kommt hier auf einmal ein wirklich runder Geschmack hervor.

Ob das am Ziegenkäse zwischendurch liegt, weiß ich in diesem Moment noch nicht.

Medium Dry und die Traube heißt Xynisteri. Ok, denke ich, und hoffe gleich nochmal überrascht zu werden. Und ja, Andreas hört nicht auf und lässt nun Rot (Mavro und Maratheftiko), Süßwein und Trester (Zivania) in einer perfekten Geschwindkeit kreisen. Dabei zeigt er immer wieder auf ein Glas, dass ich auf keinen Fall anfassen soll, bevor ich beschliesse, den letzten Schluck zu nehmen. Habe ich ja ehrlich gesagt auch noch gar nicht vor. Auf die gewagte Frage, ob er es auch zulassen würde, während der Ernte und dem dazugehörigen Stress auch noch einen kleinen Rundgang durch das Weingut zuzulassen, kommt nur ein kurzes – „Logisch“. Und schon steht Sohn John parat und führt durch den wahrlich letzten Winkel und lässt auch nochmal den ungeübten Laien wie mich die diesjährige Ernte in Traubenform kosten, bevor die unbarmherzige Presse wartet. Und ja – die Trauben sind so fruchtecht in die Flasche gebracht – ein wirkliches Fest für Reinheitsverfechter.

Aber jetzt, jetzt soll er kommen, der letzte Schluck Trester und dann Zoutzoukos hinterher. Was das ist? Wenn ich alles richtig verstanden habe ist das eine Mischform aus Weingummi, Puderzucker, Mandeln und Fruchtfleisch.

Ach Gott, ach Götter – das Leben wäre so schlecht ohne all das hier und wer sich die Serpentinen bis zur Vouni Panayia Winery antut, bekommt ein riesengroßes Stück Leben zurück. Und Zoutzoukos.
 



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