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Reblaus - Schrecken für Weinbauern

 

Der gefährlichste aller Rebstockschädlinge ist mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Die Reblaus zählt zu den Zwergläusen und hat es dennoch geschafft, Weinbauern tüchtig das Fürchten zu lehren. Anatomisch betrachtet ist die Reblaus ein Insekt.

Rebläuse machen sich über Wurzeln und Blätter der Weinrebe her. Dabei nehmen die Pflanzenläuse eine Art Arbeitsteilung vor. Die weiblichen Tiere machen sich über die Wurzeln her. Diese Winzlinge sind 1,35 mm groß und besitzen eine gelbliche oder bräunliche Färbung. Etwas kleiner sind die geflügelten Reblausfliegen.

Männliche Rebläuse sind gerade einmal 0,28 mm groß und dunkler gefärbt als die Weibchen. Männliche Geschlechtstiere leben etwa acht Tage. Sie besitzen keinen Rüssel und können daher auch keine Nahrung aufnehmen.

 

 

Das aufregende Leben der Reblaus

 

Als langweilig sollte man das Leben der Reblaus nicht bezeichnen. Es passiert einiges im Weinberg, was uns mit dem bloßen Auge verwehrt bleibt. Im Spätherbst entwickeln sich einige Wurzelläuse zu Nymphen weiter und es bilden sich Flügelansätze aus.

Diese Rebläuse hält es nicht länger im Boden. Als Reblausfliegen beginnen sie nun, der oberirdischen Pflanze zu schaden. An der Rinde des Weinstocks werden die Eier abgelegt.

Auch die männlichen Reblausfliegen können Eier ablegen. Diese sind deutlich kleiner als die weibliche Eiablage. Aus den Eiern schlüpfen rüssellose Geschlechtstiere, welche sich bald darauf eifrig paaren.

Begattete Weibchen legen ein sogenanntes befruchtetes Winterei in die Ritzen des Holzes. Im Frühling schlüpfen die Maigallenläuse. Diese können bis zu 1.200 Einer ablegen. Nach etwa zehn Tagen schlüpfen die Larven aus den Gallen.

Ein Teil davon setzt die Arbeit der Eltern fort und bildet neue Gallen. Der Rest wird als Wurzellaus geboren und zieht sich in den Boden zurück. Dort überwintern sie zunächst in tieferen Bodenschichten und beginnen im Frühling den eben beschriebenen Kreislauf von vorn.

 

Das Ausmaß der Schäden

 

Rebläuse können beachtliche Schäden anrichten. Dies lässt sich vorrangig damit erklären, das die Schädlinge an der Wurzel und am Blattwerk aktiv sind.

Ob ein Weinstock befallen ist, erkennt der Weinbauer an den Gallen. Diese werden an der Blattunterseite angelegt, sind aber nach oben hin offen. Den Eingang verschließt die Reblaus durch einen Haarkranz. in der Galle hat sich die Mutterlaus mit ihren Eiern niedergelassen. Vergallungen findet man oft auch an den Stielen der Blätter oder am Holz der jungen Triebe.

Auch an den Wurzeln entstehen ähnliche Schädigungen. Diese werden als Tuberositäten und Nodositäten bezeichnet. Tuberositäten sind besonders für die europäischen Reben gefährlich.

Dabei kann die Wurzel so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, das sie abstirbt. Nodositäten kommen nur an jungen Wurzeln vor. Dabei sind auch amerikanische Rebsorten betroffen.

Für den Rebstock besteht durch Nodositäten keine Gefahr. Daher bleibt der Befall mit Rebläusen auch häufig unbemerkt. Allgemein geht der größte Schaden von den Wurzelrebläusen aus.

Die Schädlinge saugen die Wurzel aus und entziehen der Pflanze Nährstoffe und Wasser. Hinzu kommen mögliche Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze.

Damit eine Pflanze in ihrem Wachstum eingeschränkt wird, muss ein extrem starker Befall mit Blattrebläusen vorliegen. Blattrebläuse sind daher die harmlosesten Vertreter der aggressiven Miniläuse.

 

Die Reblaus und ihr Siegeszug in Europa

 

Die erste Reblaus wurde im Jahre 1854 von Asa Fitch in Nordamerika gesichtet.

Etwa zu dieser Zeit importieren die Engländer und Franzosen eifrig Wildreben aus Amerika und machten den Weg frei für Phylloxera vastatrix, die Reblaus. Das winzige Insekt blieb zunächst unbemerkt.

Umso mehr schockiert waren die Weinbauern über das mysteriöse Absterben der Weinstöcke. Erste Beobachtungen wurden 1863 in London gemacht. Im selben Jahr begannen die Weinlagen in Vaucluse, Frankreich Schaden zu nehmen.

Vier Jahre später waren auch in der Gironde und in der Provence ganze Weinlagen vernichtet. Professor Jules Èmile Planchon kam 1868 in Frankreich der Wurzellaus auf die Schliche und enttarnte diese als Verursacher der Schäden in den Weinbergen. In Frankreich waren um 1870 ganze 100.000 Hektar Weinanbaufläche verseucht.

1866 wurde auch in Deutschland die erste Reblaus in Bonn dingfest gemacht. Den deutschen Weinkennern wird besonders die Reblauskatastrophe in der Lößnitz in den 1880er Jahren ein Begriff sein.

Auch nach Sachsen wurde die Reblaus durch Importe amerikanischer Reben eingeschleppt.

1885 stellte man den Reblausbefall fest. Große Teile der Rebflächen waren damals bereits zerstört. Nun versuchte man, der Katastrophe schnell Herr zu werden und setzte Petroleum und Schwefelkohlenstoff für die Bekämpfung der Reblaus ein.

Das Ergebnis war vernichtend - Rebläuse überlebten und der Boden war voller Giftstoffe. Die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus an der Lößnitz ging damit verloren. Etwa ein Zehntel der ursprünglichen Anbaufläche war übrig geblieben.

Das übrige Gebiet verwaldete oder wurde bebaut. 1907 war der Siegeszug der Reblaus an der Lößnitz vollendet und die sächsische Regierung erklärte das Weinbaugebiet als durchgängig verseucht.

 

Eine rettende Idee und deren Umsetzung

 

Im Laufe der Zeit hatte man festgestellt, dass man der Reblaus in Europa doch nicht komplett machtlos gegenüberstand.

In Amerika war die Reblaus keine Unbekannte, die Rebstöcke allerdings gedeihten prächtig und wurden von den Schädlingen verschont. Kurzerhand wurden weitere Rebstöcke aus Amerika eingeführt und diese veredelte man mit den europäischen Sträuchern.

Dies war zwar eine rettende Lösung aber auch ein steiniger Weg. Die Rebstöcke einzuführen, nahm viel Zeit in Anspruch.

Der Weinbau in Europa fand nur langsam aus der Krise und besonders an Qualitätsweinen mangelte es, denn die älteren Weinstöcke, die aufgegeben werden mussten, lieferten besonders hohe Erträge.

 

Die Propfrebe als Retter in der Not

 

Die chemische Bekämpfung der Reblaus konnte keine befriedigende Endlösung darstellen.

Eine Lösung, mit der es sich gut leben ließ, brachte die Erkenntnis, das amerikanische Reben an den Wurzeln nicht von den Schädlingen befallen wurden und damit auch nicht abstarben.

Somit nutzte man die amerikanischen Wurzelstöcke der Reben als "Unterlage" und pfropfte europäische Reben auf. Über die gegen Rebläuse resistente Unterlage nimmt die Pflanze Wasser und Nährstoffe auf. Die Rebsorte wird von der aufgepfropften europäischen Rebe bestimmt. Es ist mit einigem Aufwand verbunden, bis beide Pflanzenteile eine Einheit bilden.

Die Reben müssen mit speziellen Schnittmethoden veredelt werden. So entsteht ein Kallus genanntes Wundgewebe, welches die Verbindung darstellt. Die Reben werden mehrere Wochen lang veredelt und anschließend im Freiland weiter herangezogen. erst nach dem nächsten Winter wird die veredelte Pflanze im Weinberg angepflanzt.

Es vergehen weitere zwei bis drei Jahre, bis wir einen voll entwickelten Rebstock vor uns haben, der die ersten Trauben reifen lässt. Alle Arbeitsschritte sind heute genauso mühselig wie einst, denn nach wie vor vollzieht sich der Kampf gegen die Reblaus in reiner Handarbeit.

 

Erlebt die Reblaus eine Renaissance?

 

Der Mensch hat die Reblaus also austrickst.

Clever gelöst oder doch nur eine Übergangslösung? Nachdem die Reblaus langsam mehr und mehr in Vergessenheit geriet, meldet sich der robuste Winzling nun zurück.

Viele Weinberge werden nicht mehr ausreichend bewirtschaftet und die verwilderten Rebstöcke sind ein Eldorado für die Reblaus. Noch bieten die amerikanischen Unterlagen den Reben genügend Schutz, doch ist zu befürchten, dass die Reblaus uns überlistet und neue Arten sich entwickeln, die sich dann auch an den amerikanischen Wurzelstöcken ausbreiten.

Es gilt also, die Reblaus nicht aus den Augen zu verlieren und frühzeitig zu bekämpfen, damit uns die Geschichte nicht eines Tages wieder einholt, es wäre nicht das erste Mal...
 



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