Zurück



Roséwein - Eine Nachlese

Jeder hatte ihn bereits hin und wieder im Glas. Doch die wenigsten machen sich ernstlich Gedanken darüber, was sich hinter Roséwein eigentlich verbirgt und wie er hergestellt wird. Eingefleischte Weinkenner und Winzer betrachten den Roséwein mit mehr Achtung und sind sich einig, ein Rosado, der alle Sinne begeistern soll, verlangt von denen, die ihn herstellen eine gehörige Portion Können und Erfahrung.

 

Was verbirgt sich hinter Roséwein?

Roséweine sind von sehr heller Farbe und können aus blauen und aus roten Trauben hergestellt werden. Die Herstellung gleicht in etwa der des Weißweines. Roséwein kann lachsrosa oder kirschrot erscheinen. Die Farbe ist davon abhängig wie lange die Beeren auf der Maische lagen. Für die Herstellung von Roséwein nicht zugelassen sind als "grau" bezeichnete Rebsorten. Dazu zählen Gewürztraminer oder Grauer Burgunder. Die rötliche Färbung würde hier selbst bei Vollreife kaum zum Tragen kommen. Leider halten sich im Zusammenhang mit Roséwein einige recht hartnäckige Vorurteile. Vielfach wird davon ausgegangen, Roséwein ist einfach eine Mischung aus Rotwein und Weißwein. In der Vergangenheit war es tatsächlich häufig so, dass man minderwertige Rebsorten verwendete und Rosé zu einer Art Abfallprodukt der Weinherstellung verkam. Ganz anderer Meinung waren hierbei seit jeher die Franzosen, die als Erfinder des Roséweines gelten und in der Roséherstellung immer eine hohe Kunst sahen.

Qualität zählt

Ein Rotwein ist nur so gut wie seine Trauben. Gleiches gilt natürlich auch für den Roséwein. Die Franzosen haben es vorgemacht und einige Roséweine damit zu Weltruhm geführt. Probieren Sie einen Cinsault aus der Provence oder einen Bardolino Chiaretto und Sie werden nie wieder auf den Gedanken kommen, dass Roséweine einem Rotwein nicht ebenbürtig sein könnten. Wer auf Qualität achtet, beginnt damit im Weinberg. Da sie noch wenig Farbstoffe besitzen, sind die jungen Trauben am besten für den Roséwein geeignet. Sie bringen viel Frucht mit und werden schonend und sorgfältig gekeltert, denn auch dies spricht für Qualität. Entstanden ist der Rosé im Übrigen im warmen Mittelmeerraum und zwar aus einer Laune heraus. Damit an besonders warmen Tagen der Rotwein nicht so schnell für einen schweren Kopf sorgte, verdünnte man den Rebensaft mit Wasser.

Roséwein - Ein wahres Multitalent

Wer einen Rotwein oder einen Weißwein zum Essen servieren möchte, der muss einiges bedenken. Viel leichter haben Sie es dagegen mit einem Roséwein, denn Rosé ist zum deftigen Hauptgericht ebenso eine gute Wahl wie man ihn zum Dessert oder auch zur Vorspeise servieren kann. Da ein Rosé im Allgemeinen kühler als Rotwein getrunken wird, ist Roséwein auch eine beliebte Erfrischung an warmen Sommertagen. Eisgekühlt sollten Sie Roséwein jedoch nicht trinken, denn dann leidet der Geschmack darunter.

Die Herstellung von Roséwein

Da für die Herstellung blaue und rote Trauben verwendet werden können, ergibt sich für Roséwein ein breites Farbspektrum. Auch die unterschiedlichen Herstellungsverfahren haben Einfluss auf die Farbgebung des fertigen Getränks. Werden blaue Trauben ohne Schale vergoren, dann kommt dies der Herstellung von Weißwein gleich. Das Ergebnis sind besonders helle Weine. Presst man die Trauben erst nach einigen Tagen, dann werden deutlich farbintensivere Weine gewonnen. Eine weitere Möglichkeit ist die Mischung von Weiß- und Rotwein. Diese Weine dürfen allerdings EU-weit nicht unter der Bezeichnung Rosé vermarktet werden. Weine, die auf diese Art gewonnen werden, kennt man unter Bezeichnungen wie Rotling oder Schillerwein.
Welche Herstellungsverfahren gibt es?
Roséwein kann nach fünf unterschiedlichen Verfahren hergestellt werden:
- Herstellung aus blauen Trauben, die unzerkleinert gekeltert und ohne Schalen vergoren werden
- Herstellung farbintensiverer Weine durch späteres Abpressen
- Saignée-Methode
- Aufhellung des Rotweins durch Aktivkohle
- Mischen von Weiß- und Rotweinen (zulässig nur bei Roséschaumweinen)

Die Saignée-Methode

Das Saignée-Verfahren ist eine gängige Methode für die Herstellung von Roséweinen. Die Trauben werden nicht wie üblich gepresst, sondern verbleiben einige Zeit gekühlt als ganze Frucht im Tank. Die Trauben verlieren dabei an Saft. Die hellrote Flüssigkeit wird abgezogen und bildet die Grundlage für den Roséwein. Rosé wird hier in gewisser Weise zum Nebenprodukt, denn aus dem übrigen Most wird Rotwein gewonnen. Mit der Saignée-Methode hergestellte Roséweine sind besonders zuckerhaltig und es überwiegen Tannine statt Frucht. Dem gegenüber steht die Direktpressung. Hierbei wird allein Rosé hergestellt und die Trauben werden abgepresst, wenn sie die gewünschte Farbe angenommen haben.

Rotling, Schillerwein & Co.

Daneben gibt es noch verschiedene Spielarten des Roséweines. Werden vor der Pressung weiße und rote Trauben verschnitten und anschließend weiterverarbeitet, dann spricht man von einem Rotling. Wurden hierfür Trauben verwendet, die aus Württemberg stammen, dann wird der Rotling zum Schillerwein. Ob der Wein nach dem deutschen Dichterfürsten benannt ist oder die Bezeichnung eine Anspielung auf die schillernde Farbe darstellt, ist im Übrigen nicht überliefert. Werden badische Spätburgunder und Grauburgunder verschnitten, dann entsteht ein Badisch-Rotgold.

Deutschland und seine Roséweine

Auch wenn es leider bislang noch mehr oder weniger im Dunkeln passiert, viele deutsche Weingüter perfektionieren ihre Roséweinherstellung. Das Ergebnis sind klassische Sommerweine, die Lust auf Ferien machen. Roséweine werden aus Trollinger, Schwarzriesling, Spätburgunder oder Portugieser hergestellt. In Baden und Württemberg sind die Winzer besonders versiert und stellen viel beachtete Roséweine her.
Trinken sie Ihren nächsten Rosé mit Bedacht und mit einer Trinktemperatur von etwa zehn Grad. Junge Weine bringen die Frucht am besten hervor. Ganz gleich, ob das Gläschen nach Feierabend oder die Begleitung zum stimmungsvollen Grillabend mit Freuden, Roséwein sucht nicht nach Gelegenheiten, er hat immer Saison und verlangt nach mehr.
 



Zurück


Impressum