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Argentinien - Ein Weinland auf dem Vormarsch

 

In Argentinien werden nicht nur saftige Steaks gebrutzelt, auch die Weinproduktion kann sich sehen lassen. Dennoch liegt die Bedeutung des fünftgrößten Weinproduzenten der Welt noch immer weit hinter dem Stellenwert kleinerer Weinländer zurück.

Doch dies ist im Begriff sich zu ändern. In den vergangenen 20 Jahren hat der Weinbau in Argentinien einen Wandel erlebt und viele Weine bewegen sich mittlerweile auf internationalem Level.

 

 

Statistisches zum Weinbau in Argentinien

 

Auf über 200.000 Hektar wird in Argentinien Wein angebaut.

Damit wird in Argentinien mehr Wein als in Chile erzeugt. Mit etwa 15 Millionen Hektolitern pro Jahr deckt Argentinien zirka 5% der Weltproduktion an Rebensaft ab. Die Rotweine haben in den letzen Jahren stark zugelegt.

Etwa neun Millionen Hektoliter Rotwein erzeugt Argentinien pro Jahr. Das internationale Ansehen argentinischer Weine ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies beweisen nicht zuletzt die Exportzahlen.

Seit den letzten 20 Jahren hat sich der Export verzehnfacht und liegt heute bei etwa 15% des Gesamtertrages. Die Weinlagen Argentiniens spannen einen 1.750 Kilometer langen Bogen zwischen der Provinz Salta im Norden und Chubut im Süden.

 

Die Anfänge des argentinischen Weinbaus

 

Die Anfänge des Weinbaus in Argentinien gehen wie so oft in der Geschichte des internationalen Weinbaus auf uns Europäer zurück.

Siedler aus Portugal und Spanien hatten Weinreben im Gepäck.

Das der Wein auch gedeihen konnte, war den Inkas zu verdanken. Diese hatten in der Provinz Mendoza ein umfangreiches Bewässerungssystem angelegt.

Juan Cidrón, ein spanischer Missionar, kann als erster Winzer Argentiniens angesehen werden. Mitte des 16. Jahrhunderts baute er erstmals Messwein an. 200 Jahre später gab es in der Region um Mendoza bereits über 100 Weinberge und die Weine wurden auch in der beinahe 1.000 Kilometer entfernten Metropole Buenos Aires gehandelt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden bei Mendoza 2.700 Hektar Weinberge bewirtschaftet.

 

Einwanderer belebten den Weinbau

 

Anfang des 20. Jahrhundert ließen sich in den Städten und den ländlichen “Kolonien” zahlreiche europäische Einwanderer nieder. Mehr und mehr neue Reben wurden eingeführt.

Der Franzose Aimé Pouget begann bereits um 1850 damit, die Rebsorten Malbec und Cabernet Sauvignon in Argentinien zu etablieren. Nachdem die Einfuhr durch die Reblauskatastrophe in Europa ins Stocken kam, sorgte der Italiener Leopoldo Suarez um 1910 dafür, dass die Argentinier 600 neue Rebsorten kennen lernten.

Das Klima am Fuße der Anden erwies sich als sehr günstig und die Produktion florierte.

 

Der Weinbau in Argentinien heute

 

Die Weinregionen Argentiniens sind bis heute nur im Westen des Landes zu finden.

Etwa drei Viertel aller argentinischen Weine werden in der Provinz Mendoza erzeugt. Weitere Weinbaugebiete sind San Juan, Rio Negro, La Rioja Catamarca und Salta. In den 1960er bis 1980er Jahren wurde Argentinien durch die herrschenden Militärregierungen zunehmend in die Isolation getrieben.

Wein war ausschließlich für den heimischen Markt bestimmt. Bis zu 90 Liter betrug der jährliche Pro-Kopf Verbrauch der Argentinier. Der Tafelwein wurde zum Volksgetränk.

Bei der Erzeugung trat die Massenproduktion in den Vordergrund. Da keine nennenswerte Nachfrage bestand, wurde die Weinqualität vernachlässigt. In den 1990er Jahren konsumierten die Argentinier nur noch knapp 40 Liter Wein pro Jahr.

Nun lag das Augenmerk auch auf dem Export. Die Entwicklung vollzog sich jedoch eher schleppend und immer wieder mussten Rückschläge eingesteckt werden.

 

Das Klima lässt Trauben reifen

 

Im Westen Argentiniens bestehen beste Bedingungen für den Weinbau. Reichlich Sonne steht einem kalten Winter gegenüber, der den Rebstöcken die nötige Vegetationsruhe beschert.

Die Anbaugebiete zwischen den Cafayate-Tal und Patagonien liegen auf einer Seehöhe von mehr als 1.000 Metern. Allerdings fällt relativ wenig Niederschlag. Die Weinberge werden mit dem Schmelzwasser der Anden künstlich bewässert.

Bäume spenden Schatten bei großer Hitze.

 

Die Rebsorten

 

Bis in die 1990er Jahre wurden in Argentinien zum Großteil die charakteristischen hellroten Sorten Cereza oder Criolla Grande erzeugt.

Der einsetzende Qualitätsweinbau hat die Verteilung der Rebsorten verändert. Die Rebsorten sind so vielfältig wie die Einwanderer, die sie ins Land brachten.

Eine Besonderheit ist das Alter der Reben. Mehr als die Hälfte aller Weinstöcke in Argentinien sind 25 Jahre und älter.

 

Rotweinsorten

 

Seit den 1990er Jahren stieg der Anteil der erzeugten Rotweine drastisch an. Die Gesamtproduktion umfasst heute etwa 80% Rotwein. Den größten Raum nimmt mit 22.500 Hektar die Malbec Traube ein.

Die Trauben stammen aus Südfrankreich, wo sie von der Reblaus beinahe ausgerottet wurden. Die kräftigen Weine werden in Barrique-Fässern ausgebaut und lassen sich sehr gut lagern. Auf etwa 18.000 Hektar reifen Bonarda Trauben.

Die Trauben stammen vermutlich aus Italien. Auch die kalifornische Dolcetto Traube ist bei Fachleuten als Ursprung im Gespräch. Mit Cabernet Sauvignon werden auf fast 17.000 Hektar ehrgeizige Ausbauversuche unternommen.

Dabei bewegt sich besonders der Verschnitt mit Malbec oder Syrah auf internationalem Niveau.

 

Weißweinsorten

 

In den 1980er Jahren bestand ein großer Bedarf an Weißwein. Dem wurde mit der italienischen Trebbiano Rebe entsprochen. Heute setzt man mehr auf Qualität und der Anbau dieser Ugni Blanc genannten Rebe ist stark rückläufig.

Die führende Weißweinrebe ist Torrontés Riojano. Auf über 8.000 Hektar wird diese Traube kultiviert und zu blumigen und frischen Weißweinen ausgebaut. Für die Schaumweinherstellung wird die Chardonnay-Traube verwendet, welche auf 5.200 Hektar Fläche heranreift.

An der Qualität der Chenin-Traube wird noch gearbeitet. Chenin blanc dient daher vorwiegend zu Weinverschnitten.

 

Weinreisen nach Argentinien

 

Weinliebhaber sind in der Provinz Mendoza genau richtig.

Die größte Weinbauregion Argentiniens beschert dem Besucher zahlreiche Sonnenstunden. Die Weinberge liegen auf 500 bis 800 Metern Höhe und befinden sich unweit der Flussläufe. Malbec ist für seine weichen, samtigen Weine bekannt.

Um San Juan dehnt sich das zweitgrößte Weinbaugebiet des Landes aus. Die Stadt ist sehr modern und besitzt eine lebendige Kulturszene. In der Provinz San Juan liegt die Heimat des Weißweins. Auf Grund des heißen Klimas werden die Trauben vorwiegend zu Traubenmost-Konzentrat oder zu Weinbrand und Aperitifweinen verarbeitet.

Auch in die Provinz La Rioja lohnt eine Weinreise. Die älteste Weinbauregion des Landes nimmt heute Platz 3 in der Landesproduktion ein. Die Cooperativa La Rioja ist die größte Kellerei in der Region und öffnet ihre Pforten für Touristen, die sich die lieblichen Weißweine schmecken lassen möchten.

Klasse statt Masse lautet die Devise für den Weinbau in Argentinien.

Noch vor 40 Jahren war der Weinbau auf die Massenproduktion ausgelegt und der argentinische Wein wurde international kaum beachtet.

Heute sind die Weine auf dem Weltmarkt zuhause und gewinnen stetig an Ansehen. Argentinische Weine zu probieren, ist eine interessante Erfahrung, die sich niemand entgehen lassen sollte.
 



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