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Kalifornien und die Sünde der Gläser

 

Kaum aus Oregon in Richtung Kalifornien abgebogen, öffnen sich zwei Welten. Auf der einen Seite ist der Ozean genannt Pazifik, der im Norden gefühlt permanent im Nebel liegt. Selbst im Hochsommer ist da nicht viel mehr als 16-18 Grad zu holen – und nein, hier ist nicht die Wassertemperatur gemeint. Doch fährt man gerade mal 10 km ins Landesinnere, durch die 1000 Jahre alten Redwoods, herrscht ein anderes Klima. 10 bis 15 Grad wärmer, ein wenig durchdringende Feuchtigkeit vom Meer, das sind die Zutaten für der nördlichsten kalifornischen Weinhänge, -berge, und –felder.

Doch eine Geschichte wäre ja vollkommen langweilig, wenn es da nicht einen entscheidenden Unterschied gäbe. Amerikaner machen eben Sachen anders, auch wenn sie die Gegensätze aus Europa kennen.
Sucht man im Ferienhaus Weingläser so sind die zwar da, aber bestehen aus Plastik. Nun ja, mir vergeht dabei der Weingenuss vollständig. Aber das soll nur eine Randnotiz sein.

 

Alles hat seinen Preis

 

Am deutlichsten machen sich die Unterschiede beim Winzer, wenn man ihn überhaupt so nennen darf, sicht- und schmeckbar.
Hier in den USA laufen Weinproben halt vollkommen anders. Und da ist es egal ob man beim kleinen Hersteller ganz im Norden oder im weltberühmten Napa-Valley ist. Zum einen muss man für eine Probe bezahlen . 10 Dollar waren es mindestens, bis zu 30 Dollar für eine Probe von 5 Schluck Wein waren auch dabei. Manchmal wurden bei dem eventuell nachfolgend stattfindenden Kauf verrechnet, manchmal eben aber auch nicht.

 

Nichts für Europäer

 

Die für mich schlimmste Erfahrung auf der fast 4000km langen Tour aber war, dass alle Verkostungen nur mit je einem Glas durchgeführt wurden.
Weißwein, Rotwein, Rose, Dessertwein – alles wurde jeweils auf den letzten Schluck des anderen gekippt. Und selbst auf Nachfrage wurde das Glas maximal noch mit dem jeweiligen Weißwein ausgespült. Aus europäischer Sicht ist das wohl das größte No-Go, was man sich vorstellen kann. Aus Sicht eines Weininteressierten landet man schnell beim Kopfschütteln. Denn die Proben waren nicht irgendwo, sondern in Läden mit bestem Interieur, Menschen die sehr stilsicher auftreten konnten und Weinen, die für bis zu 200 Euro zu kaufen waren. Gestört hat es aber nur die Europäer, für amerikanische Besucher war das Prozedere vollkommen normal.

Warum der Einwurf mit den Winzern? Auch hier ist ein massiver Kulturunterschied im Verständnis zwischen Europa und den USA, jedenfalls in Kalifornien. Denn der Anbieter, der den Wein in Flaschen füllt ist ganz oft überhaupt nicht der Bauer, der die Beeren in eine bestimmte Richtung ge-und erzogen hat. Weinbauern und Weinhersteller sind zwei verschiedene und oft getrennte Menschen. Im Napa-Valley beispielsweise haben unterschiedliche Hersteller die gleichen Trauben zu unterschiedlichen Preisen in den diversesten Cuveés verarbeitet.

 

Grund ist das Schnapsverbot

 

Erklärt wurde das mit der Prohibition in den 20er und 30er Jahre. Hier war Alkoholherstellung praktisch nicht mehr rentabel und die Bauern bauten dann ganz unterschiedliche Sachen auf den Feldern an. Die klassischen Winzerbetriebe lösten sich angeblich so auf und erst in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg begann die eigentliche Produktion wieder richtig. Das Land aber war weg und so teilt man sich auch heute noch die Produktion ganz oft auf.

Teil 3: Schwer und Rot – so weit das Auge reicht



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