Zurück



Obstweine - besser als ihr Ruf?!

Die Deutschen sind ein Volk von Weintrinkern. Jeder Bundesbürger bringt es im Durchschnitt auf etwa 30 Liter Wein jährlich. Reben werden auf etwa 100.000 Hektar angebaut und liefern im Jahr zirka zehn Millionen Hektoliter Rebensaft.

Wie diese Zahlen in Bezug auf den Obstwein ausfallen, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Fakt ist, das Frucht- und Obstweine in großer Zahl produziert werden und sich besonders Hobbywinzer ihre Fruchtweine nicht nehmen lassen wollen. Völlig zurecht, denn der Obstwein sollte nicht automatisch gegenüber dem Rebensaft den Kürzeren ziehen.

 

Obstwein - Was steckt dahinter?

Was ist nun genau Obstwein? Einfach ausgedrückt, alle Weine, die nicht aus Weinbeeren bestehen. Rechtlich gesehen ist Obstwein kein Wein, sondern ein "weinähnliches Getränk", gewonnen durch die Gärung von Früchten oder Obst.

Theoretisch kann jede genießbare Frucht als Ausgangsstoff für einen Obstwein dienen. Wird während des Gärprozesses Zucker zugegeben, dann kann der fertige Obstwein mit einem Alkoholgehalt von bis zu 18% einen kräftigen Rotwein durchaus in den Schatten stellen. Reine Obstweine, denen kein Zucker zugesetzt wird, besitzen etwa acht bis zehn Prozent Alkohol.

 

 

Wie wird Obstwein hergestellt?

Die Herstellung von Obstwein unterscheidet sich nur wenig von der Rebensaftproduktion. Obst und Zucker bilden die Basis und die alkoholische Gärung macht aus Obst und Zucker schließlich Fruchtwein. Aus dem reifen Obst wird ein Obstbrei, die Maische, gewonnen.

Um die Maische ausreichend flüssig zu halten, wird meist Wasser zugegeben. Bei Maischegärungen wird generell den Früchten Zucker zugegeben. Wird Obstwein kommerziell hergestellt, dann gelten hierfür bestimmte Vorschriften.

Eine Überzuckerung ist aber generell zu vermeiden, da diese den Gärprozess hemmt. Die Konzentration der Säure im späteren Wein wird durch die Zugabe von Wasser reduziert oder durch die Beigabe von Zitronensaft oder Zitronensäure auf ein entsprechendes Level gebracht.

Der Gäransatz wandert in einen Gärbehälter. Je nach Umfang handelt es sich hierbei um einen Tank, ein Weinfass oder um den klassischen Weinballon für den Hausgebrauch. Nach Beendigung des Reifeprozesses, kann der Wein in Flaschen abgefüllt werden und dort noch einige weitere Monate ruhen. Der Lagerraum sollte, ähnlich wie beim Rebensaft, dunkel und konstant temperiert sein.

 

Wein oder nicht - Rechtliches zum Obstwein

Das Lebensmittelrecht in Deutschland deklariert die Obstweine zu "weinähnlichen Getränken". Damit greift in Bezug auf Obstwein nicht das Weinrecht, sondern es gelten die allgemeinen Vorgaben des Lebensmittelrechts. Für die Herstellung, Beschaffenheit und Bezeichnung der Fruchtweine existiert eine eigene Verordnung.

Der Begriff Wein darf nur in Zusammenhang mit dem für die Herstellung verwendeten Obst benutzt werden. Daher darf also von Apfelwein oder Birnenwein gesprochen werden. Würde man seine Produkte als Wein aus reifen Kirschen oder Wein aus deutschen Äpfeln anbieten, dann wäre dies nicht zulässig.

 

Kultgetränk Apfelwein

Der Apfelwein muss sich keinesfalls hinter dem Rebensaft verstecken. In einigen Regionen Deutschlands wird man ihm wohl sogar den Vorzug gewähren. Seit sich einst beim "Blauen Bock" kräftig mit Ebbelwoi im Bembel zugeprostet wurde, hat der Apfelwein seinen Siegeszug durch Deutschland angetreten. Apfelwein wird bevorzugt aus säurereichen Kulturäpfeln gekeltert und besitzt einen eher herben und sauren Geschmack. Kleinere Hobbywinzer produzieren meist mildere Weine, die einen höheren Alkoholgehalt besitzen.

Die Geschichte des Apfelweins reicht bis in das Jahr 800 zurück. Hessischer Apfelwein ist seit dem 17. Jahrhundert überliefert. Wer sich davon überzeugen möchte, das Apfelwein dem Rebensaft in nichts nachsteht, der wird im Raum Trier, in Unterfranken oder im Taunus oder Odenwald fündig.

 

Fruchtiger Kirschwein

Zu den beliebtesten Obstweinen zählt zweifelsfrei der Kirschwein. Besonders Schattenmorellen bringen die notwendige Säure mit. Süßkirschen lassen sich dagegen nur zu Kirschwein verarbeiten, wenn extra Säure zugesetzt wird.

Die Kirschen sind vor der Weinbereitung zu entsteinen, da sonst durch die Steine Blausäure freigesetzt werden kann. Kirschwein kann durch Saft- oder durch Maischegärung hergestellt werden. Der Kirschwein hinkt dem Rebensaft leider etwas hinterher und wird weithin als günstiges Ersatzprodukt für Rotwein angesehen. Bei der Verkostung qualitativ hochwertiger Produkte werden Sie sich jedoch davon überzeugen können, dass Kirschwein zu unrecht unterbewertet wird.

 

 

Obstwein selber machen

Die beste Möglichkeit, sich ein Urteil darüber zu bilden, ob Obstwein mit Rebensaft mithalten kann ist, selbst zum Hobbywinzer zu werden. Dabei darf auch gerne experimentiert werden.

Himbeeren, Orangen, Bananen, Datteln oder Heidelbeeren dürften für jeden Geschmack das passende bieten. Damit Obstwein nicht wirklich zu einem minderwertigen Produkt wird, dürfen nur Früchte von bester Qualität verwendet werden. Die Annahme, dass sich auch minderwertiges und gar verdorbenes Obst zur Weinherstellung eignet, ist grundlegend falsch und leider ein Stück weit für den schlechten Ruf von Obstwein verantwortlich.

Angehende Hobbywinzer sollten sich mit folgenden Gerätschaften ausstatten:
- Küchenwaage
- Thermometer
- Mostwaage
- Gerät zur Alkoholbestimmung
- Trichter
- Gärgefäß

Um die Maische zu gewinnen, wird das Obst mit Wasser erhitzt und anschließend einen Tag ruhen lassen. die entstandene Maische presst man durch einen Leinensack und gibt dem Saft Zucker, Kaliumpyrosulfit, Reinzuchthefe und Nährsalz hinzu.

Die Flüssigkeit wird in das Gärgefäß gegeben und das Ganze sollte anschließend bei Raumtemperatur gären. Bilden sich beim Schütteln keine Bläschen mehr, dann ist die Gärung abgeschlossen.

 

 

Wein oder Obstwein - Qualität allein zählt

Obstwein als billigen Ersatz zum Rebensaft darzustellen, wird diesem herrlich fruchtigen Getränk nicht gerecht. Leider sind jedoch Fruchtweine im Handel, welche diesen Eindruck untermauern.

Dem gegenüber stehen jedoch Menschen, die sich dem Kulturobst annehmen und weder Kosten noch Mühen scheuen, um hochwertige Obstweine zu produzieren und damit das Gegenteil zu beweisen, nämlich, dass Obstwein viel besser schmeckt als sein Ruf beschaffen ist. Hochwertiger Obstwein ist nicht unbedingt ein Schnäppchen.

Die Frage ist, sind wir bereit, für einen Fruchtwein ebensoviel zu zahlen wie für Rot- oder Weißwein von guter Qualität? Nichts spricht dagegen, denn es macht wenig Unterschiede, ob der Wein aus Trauben oder anderen Früchten besteht.

Wird die Weinherstellung mit Können und Inbrunst verfolgt, dann kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen und plötzlich findet sich ein Obstwein auf den gehobenen Weinkarten wieder. So geschehen mit den Obstweinen von Jörg Geiger oder den Kirschweinen von der dänischen Insel Lolland, einem wahren Geheimtipp.
 



Zurück


Impressum