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Handy Handy in meiner Hand…

welche Information gebe ich heute der Welt von mir bekannt?

 

So könnte das moderne Märchen der Gebrüder Grimm von heute aussehen. Niemand von uns weiß, wer die böse Königin ist und was sie von uns sieht. Und vor allem, was macht sie mit uns, wenn wir sie ärgern?

In Veit Etzold´s neuem Roman „Dark Web“ gibt es einen kleinen Vorgeschmack für ALLE! Die Nebenwirkungen können, oder vielleicht sollten enorm sein. Hier hilft im Allgemeinen keine Arzt oder Apotheker mehr.
Das Darkweb wird immer mehr ein Begriff im Alltagsleben des normalen Users. Die meistern verbinden damit aber Perversität aller Art, Gewalt, Drogen und Waffen. Für manche Menschen ist es aber der einzige Weg in die Außenwelt, der Weg Richtung Freiheit und die Möglichkeit das eigene Leben zu schützen.

 

Je mehr das "Dark Web" verständlicher wird, desto mehr ist es spannend, wo sich diese aus dem Hintergrund agierende Handlungsweise auch woanders im Leben wiederfindet. Und sie tut es. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein fussgestampfter, in zwei offenen Barriques lagernder Wein tatsächlich irgendetwas werden kann. Der Winzer - ein Engländer, der Wein heißt Red Socks. Da kann eigentlich nur "Touristenschreck" herauskommen. Aber nein! Der erste Schein leitet vollkommen falsch, greift man einfach einmal mit der Hand tiefer und spürt das warme, tiefrote in der Flüssigkeit, wird schnell klar - hier ist der Hintergrund viel mehr, als im ersten Eindruck möglich wäre zu erfassen. Das Weingut - "Mas Christine" - kurz vor der spanischen Nordostgrenze. Der Wein - mehr als Dark.

 

Das Clearnet hingegen kennen alle. Jeder von uns bewegt sich praktisch rund um die Uhr darin und erledigt mittlerweile viele seiner Tätigkeiten dort.
Dabei hinterlässt man natürlich viele Spuren. Dies kann man ein wenig mit Hänsel und Gretel vergleichen. Im Clearnet bleiben unsere Spuren für manche Leute/Programme für immer sichtbar, wie bei Gretel`s erstem Versuch mit den Kieselsteinen. Im Darknet findet man keine Spuren, sie werden gekappt. Bei Gretel wurden die Brotkrummen gefressen. Bisher sind im realen Leben (oder vielleicht waren?) beide Welten getrennt.
Etzold verbindet in seinen hervorragenden Thriller das Wissen aus beiden Welten. Die fließenden Übergänge, die Google bisher nicht erreicht hat, gelingen nun HOLOS. Einer neuen Firma aus Europa, angesiedelt in Deutschland. Gefeiert von den Medien, den unreflektierenden Datenjüngern und natürlich den Politikern. Selbst die Geheimdienste arbeiten mit HOLOS zusammen, erhalten sie doch von hier wichtige Informationen über Kinderschänder und ähnlichem.
Doch niemand kenn die wahren Gesichter hinter HOLOS, und schon gar nicht die wahren Absichten. Denn HOLOS kann und will mehr als Google und Co.

 

Der Thriller beschreibt die Vorgeschichte: Wie kam es zur Entstehung, wer steckt dahinter, wer wurde erpresst und vor allen Dingen, woher kam das Geld?
Es beginnt bereits sehr erschreckend, da man direkt in das Verhandlungsgespräch der russischen Mafia und Oliver, einem der Inhaber der derzeitig erfolgreichsten Verkaufsplattform Narcobay (Nachfolger der legendären Silk Road) befindet. Und es geht nicht nur um Drogen. Die Mafia ist auf die Lieferwege von Marc und Oliver aufmerksam geworden. Denn es gibt heißere Ware, die zu ihrer kräftig zahlenden Kundschaft gebracht werden muss – lebende Dolls. Einzelne Spielzeuge, auf Bestellung vom Puppendoktor angefertigt. Einer dieser Kunden ist z.Bsp. Dr. Dreßler, IT-Sicherheitschef der EZB-Bank und dabei behilflich, ein paar Millionen im Bedarfsfall abzuzweigen.

 

Eine kleine Sondereinheit „Nemesis“, eine gemeinsame Truppe aus BND, BKA und Europol ist dabei, alle Puzzelteile zusammenzufügen und die großen Verbrecher zu verfolgen, teils legal, teils im gleichen Sumpf wie die Verbrecher des Darknet.

 

Das Buch ist mehr als nur spannend, von der ersten bis zur letzten Seite und wirklich nur was für starke Nerven. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die vielen Handlungsstrenge verfolgt und zusammengefügt werden, ohne zu langweilen. Es sind sehr viele handelnde Personen in der Story und eine Menge Dinge werden mit guten Hintergrundkenntnissen erklärt. Um die gigantischen Ausmaße der Geschichte und alle Hintergründe verstehen zu können, ist dies aber notwendig.
Man kommt hier unweigerlich an Stellen, wo die Spannung in Entsetzen, Herzstillstand, Bluthochdruck und teilweise sogar Ekel umschlägt. Vielleicht nicht bei allen Lesern, aber gewiss bei vielen. Wie bei jeden guten Thriller werden einen die erstandenen Bilder eine Weile den Schlaf rauben. Aber das Buch übt einen solchen Sog aus, das es nicht lange dauert und man liest einfach weiter.

 

„Dark Web“ reiht sich in ein, in viele gute Bücher unser neuen BigData Welt. Neben „The Circle“ von Dave Eggers, indem „nur“ die Möglichkeiten des Clearnets abgebildet sind und dem Buch „Deep Web“ von Anonymus, um nur zwei zu nennen.

Früher kannte die Mutter Ihre Kinder am besten – heute kennt das Netz uns besser, als wir uns selbst. Und der Preis unseres digitalen Fortschritts? Unermesslich hoch – unbezahlbar – wir selbst.

In diesem Sinn:
„only the paranoid survive“
 



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