Zurück



Der Wein und die Amerikaner

Wir Deutschen haben wohl ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den Amerikanern. Auf der einen Seite lieben wir dieses großartige Land für alles was es zu bieten hat – und das ist eine große Menge an Landschaft, Einstellung, Idee, Weite und Innovationskraft. Auf der anderen Seite belächeln wir die Menschen jenseits vom großen Teich wegen Ihrer unglaublichen Nachlässigkeit sich gut und stilvoll zu ernähren.
Und so habe ich auf meiner Reise wieder all diese Vorurteile antreffen können und muss als Weinliebhaber sagen – „Oh mein Gott!. Welch´ tollen Wein hab ich getrunken! Aber wie!"

 

Von vorn das Ganze. Die Reise sollte aus Kalifornien nach Oregon gehen und dann wieder zurück in der Nähe der Küste von Nord nach Süd. Also beste Voraussetzungen alle möglichen Stil und Spielarten von Wein, Winzern und Landschaft zu sehen.
Und so kam es, wie man es eben nicht erwarten konnte. Am Highway 199 mal kurz nach links abgebogen stehen wir auf einem Winzerhof und ein bärtiger Mann kommt mit seinem Quad angeschossen. Laufen ist ja auch so unamerikanisch. Er ist nett, oder besser – wir sind wahrscheinlich heute die einzigen, die das hier gefunden haben in Oregon. Und so steht einszweidrei ein Glas auf dem Tresen und via Druckluft (oder was auch immer er dafür genommen hat) werden die Gläser zu Probe gefüllt. Angefüllt. Also wird ein Minischluck reingemacht.

Für Geld versteht sich, denn selbst das Probieren kosten in den USA Geld. Bei einigen Winzern bekommt man es zurück, wenn man im Nachgang kauft, andere stecken sich das mal direkt ein.
3 Weißweine, 3 Rotweine gibt es heute – wir sind ja in Oregon, da ist es noch ein bisschen kühler als weiter südlich. Und so kommen wir in den normalen Smalltalk über Herkunftsland, wie da der Wein ist und warum man eigentlich mal hier und da hinreisen sollte und bums – die Überraschung. Unser Gastgeber wittert seine Chance richtige Weinfreunde getroffen zu haben und bietet nach dem 5. Satz sein gesamtes Weingut zum Kauf an. Kostet ja nix. Mit Wohnhaus. Nur 1,2 Millionen. Das ist doch nix für Euch Deutsche. Ihr könntet auf den wenigen Hektar Land direkt weitermachen. Er würde auch alles stehen und liegen lassen und sofort ausziehen.
Nun ja. Wir waren eigentlich zum Probieren hier, weniger zum Verschulden. Der Winzer merkt das dann auch und hat eine neue Idee. Und genau das ist das Quentchen Cleverness, was die Ami´s uns eben voraus haben. Macht sich eine neue Tür auf, geht man eben durch die und nicht durch die klemmende rechts oder links daneben. Ob wir denn Growler kennen würden, fragt er uns. Das wäre doch viel günstiger. Nein, natürlich kennen wir die nicht und merken erst später, prima Idee, für eine Urlaubsreise aber vollkommen ungeeignet.

Growler sind in diesem Fall wiederverschließbare 1Liter-Glasflaschen, in die man Wein hineinfüllen kann. Laut seiner Aussage wäre das auch total günstig, die für 15 Dollar das Stück mitzunehmen. Denn wenn man zu einer Weinverkostung geht, könne man direkt dahinein einfüllen lassen und das dann statt einer Flasche mitnehmen. Alle Winzer in den USA würden sich dazu breitschlagen lassen, statt der 0,75 Liter normalen Flascheninhalts, denn Growler mit seinen 0,25 Litern mehr bereitwillig für keinen Aufpreis vollzumachen.

Ich wollte es drauf ankommen lassen und habe zwei Growler mitgenommen. Und wie man sich schon denken kann, die haben nie wieder einen Schluck Wein gesehen. Aber mein Winzer hat wieder ein kleines bisschen Haushaltsauflösung betreiben können. Gut gemacht. Er jedenfalls.

Teil 2: Kalifornien und die Sünde der Gläser
 



Zurück


Impressum