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Jenseits der € 1,99 - Aus einem Leben als Unwissender - Teil 6

 

Es gibt noch immer Menschen, die glauben, dass Schnaps ein wahres Teufelswerk ist; andere würden eher Zucker oder die Filme mit Nicolas Cage mit diesem Titel bedenken … aber nur wenige kennen die Wahrheit: Weinproben sind das wahre Werk des Satan.

Unter dieser kultiviert, zivilisierten Oberfläche schlummert das Chaos und die Versuchung … zu nahezu allem! Ich habe noch keine Weinprobe besucht, die nicht „denkwürdige“ Folgen nach sich zog.

 

Hinterhältig und gemein

 

Eine der harmlosesten Konsequenzen war der „halbtrockene“ Rosé, der mal monatelang in unseren Keller wohnte. Ich hatte mich beim unschuldigen Probieren auf einer Industriemesse zum Kauf „überreden“ lassen. Hinterhältiges Pack - wer erwartet die Burschen denn auch auf einer solchen Veranstaltung?

Und dann hatten sie wirklich leckere Bruschettas da rum stehen. Bisschen salzig vielleicht, aber dafür hatten sie ja die kleinen Weingläschen, nicht wahr? Und ehe ich mich versah, hatte die Spedition sechs Kisten von dem Zeugs gebracht, das man im Grunde nur trinken konnte, wenn man schon betrunken war … oder genug salzige Bruschettas drin hatte. Oder beides.

 

Die Geheimnisse der Weinprobe

 

Ich habe auf - oder vielleicht besser nach - Weinproben auch schon ganz andere Dinge getan. Unter anderen gewann ich einen Poetry Slam. Wer mich nur länger als 10 Minuten kennt, ahnt meist schon, dass ich mit Lyrik einen ähnlich gearteten Vertrag habe, wie mit Wein.

Ich weiß, dass es sie in gut gibt und ich glaube, auch schon gute Lyrik gelesen oder gehört zu haben … ich selbst bin allerdings weder imstande sie zu unterscheiden, noch sie von mir zu geben.

Deshalb kann ich mir auch nicht erklären, wie das Werk „Onkel Tom im Hüttenzauberland“ überhaupt zustande kommen konnte. Oder dass es den dämlichen Abend mit der Auszeichnung „besonders wertvoll“ beendete. Vielleicht waren die Juroren ja zuvor auf der gleichen Weinprobe gewesen …

 

Ihr neuestes Juwel

 

Das letzte Mal fiel ich darauf herein, als mich der Vater einer guten Freundin bei einem unserer Besuche dort, beiseite nahm und mir „unbedingt sein neuestes Juwel“ vorführen wollte. Selbstverständlich war es ein Wein, genauer gesagt ein Roter namens Hensel und Gretel, den er sich von einem seiner kleinen Ausflüge mitgebracht hat.

Ich weiß wirklich nicht, warum der arme Mann wieder und wieder versucht, seine Schätze meinem armselig ausgebildetem Gaumen auszusetzen, aber er gibt nicht auf.

Auch wenn er von meinen Reaktionen ausnahmslos entsetzt zu sein scheint - so auch dieses Mal.

 

Eine andere Taktik

 

Ich versuchte eine neue Taktik und sagte ihm, dass ich Kirsche herausschmecken würde (in Wahrheit schmeckte ich nichts dergleichen, ich hatte es nur irgendwo mal gehört!). Der Blick, den er mir zuwarf, war durchaus sehenswert. Und dann ging es wieder los und ich bekam Wein, der im Ansatz nach Kirsche schmecken sollte, vorgesetzt.

Von hier aus tasteten wir uns zu den ganz einfachen vor, hüpften zu den Weißen und machten auch einen Schlenker zum Würzwein (Retsina sei Dank, dass ich nicht ausspuckte).

 

Klein aber oho

 

Alles in geradezu winzigen Gläschen. Mit Wasser und Brot dazwischen. Über fast zwei Stunden. Meine Frau hält mir jetzt noch vor, dass sie mich nicht nur nach Hause fahren, sondern auch noch nach oben tragen und ins Bett werfen musste. Ich war so betrunken, dass ich nichts davon mehr selbst schaffte.

Apropos meine Frau und Weinproben. Bis ich mit ihr auf einer solchen Probe war, hatten wir nicht mehr miteinander zu tun, als dass wir Kollegen waren. Dann waren wir auf einer Weinrobe. Jetzt sind wir verheiratet und haben zwei wundervolle Kinder. Habe ich erwähnt, dass ich Weinproben im Grunde ganz toll finde?
 



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