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Jenseits der € 1,99  - Aus einem Leben als Unwissender - Teil 10

von William Powell


So – jetzt ist es offiziell: Habt gefälligst alle mehr Respekt vor mir, denn ab sofort erhebe ich mich aus den Niederungen der Nichtwisser und Amateure! Ich war auf der diesjährigen ProWein – Jawoll! Und auf dieser Fachmesse ist bekanntlich nur Fachpublikum zugelassen.

Babämm!
Ich lasse an dieser Stelle auch Erklärungen nicht gelten, ich sei ja „nur“ über eine Presseakkreditierung in die heiligen Hallen gelangt. Oder dass ich wohl genauso gut mit einem Presseausweis von „Haus&Garten“ oder „Mein Haustier“ hätte antanzen können. Ich war dort!

Und ich habe meine Sache möglicherweise nicht ganz so schlecht gemacht. Das zumindest könnte man aus so manchen Kommentaren schließen. Thorsten Melsheimer zum Beispiel machte mir sogar ein Kompliment – zugegeben, zu meinem Anzug, aber immerhin.

Dass ich seinen sehr leckeren Bio-Grauburgunder mit Brause verglich, irritierte ihn aber wohl ein wenig. Dabei war ich nur so überrascht, wie lecker der war. Ich hatte nämlich – als er „Bio“ sagte – gleich das Wein-Äquivalent zu „Bio-Vollkorn-Früchtebrot“ oder „Tofu-Würsten“ erwartet. Und dann schmeckte der so frisch und trocken und ganz leicht lieblich und alles gleichzeitig – das erinnerte mich einfach spontan an Brause.

Oder besser gesagt, weckte es das Gefühl, zu wissen, wie Brause schmecken müsste, wenn sie für Erwachsene wäre. Wer das jetzt nicht recht versteht, der ist vielleicht noch nicht fachmännisch genug – immerhin war ja ICH auf der ProWein.

An einem portugiesischen Stand bekam ich sogar ein anerkennendes Kopfnicken. Zumindest denke ich, dass es anerkennend war – ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon ausgiebig vom grünen Veltiner von Thomas Hensel und vom Prosecco der Familie Stolleis genascht.

Ohne Frühstück. Um 10:30 Uhr am Morgen. Auf jeden Fall hatte ich den (erstaunlich gut deutsch sprechenden) Sommelier dort gefragt, warum mich sein Chardonnay beim Verkosten an Weihnachten erinnere.

Und er erklärte mir, dass es an den Gewürzen wie der Vanille und dem Holz lag, das während des Ausbaus verwendet wurde. Und genau da warf er mir diesen Blick zu ... anerkennend, denke ich. Also auf jeden Fall schaute er komisch. Ist ja auch egal.

Richtig profihaft wurde es dann bei einer Verkostung des Champagner-Magazins, obwohl mir zunächst keiner sagen wollte, was denn verkostet würde. Kann ich doch nicht wissen, dass es Champagner sein würde. Bin ich Hellseher?

Die Getränke waren trotzdem sehr lecker – zumindest an die ersten sieben meine ich mich erinnern zu können. Wobei ich leichte Schwierigkeiten mit dem stetigen Gespucke hatte, das die Wein ... Verzeihung Champagnerkenner um mich herum zelebrierten. Schlückchen hier, leicht das Mündchen gespitzt, ab mit dem guten Zeugs ins bereit gestellte Spucknäpfchen.

Zum Kopfschütteln solche Angewohnheiten. Da nehm ich besser nicht meinen Sohn mit hin. Wenn der das sieht, schaut er es sich noch ab.

Und zum Schluss bekam ich sogar noch ein Geschenk von Ute Weinmann.

Nachdem ich ihren köstlichen Weißburgunder probieren durfte, gab sie mir – für meine Frau – ein kleines Döschen ihrer neuesten Erfindung mit: Pink Hero – ein Sprizz to go. Also so echt was nur für Mädels. Ich habs dann im Zug selbst getrunken. Sorry Schatz.
 



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