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Jenseits der € 1,99 - Aus einem Leben als Unwissender

 

Wo kommen all die bewundernswerten Weinkenner und Weintrinker nur her? Haben die spezielle Schulen durchlaufen? Gibts da ein Programm von der IHK? Ich jedenfalls nähere mich Riesling, Rioja und Grauburgunder eher mühsam und langsam.

Ich lebe in einem ständigen Paradoxon: Ich mag Wein und habe keine Ahnung von selbigem!

Also wenig, zumindest. Ich weiß, was mir schmeckt und das ist nach Aussage von Thomas Hensel (der Winzer, dem ich am meisten vertraue) schon mal die halbe Miete.

 

Am Anfang war nur die Hölle offen

 

Das Dumme ist nur, meine Wein-Sozialisation … wenn ich das überhaupt so nennen dürfte … begann mit übelster Plörre - und die schmeckte mir damals ja irgendwie auch - es scheint also um meinen Geschmack nicht zum besten bestellt zu sein. Zu meiner Verteidigung sei ins Feld zu führen, dass ich - was den Wein betrifft - einen denkbar schlechten Start hatte: Mein Vater war US-Amerikaner und hielt Liebfrauenmilch im zwei Liter Tetrapack bis zu seinem Tod für Nektar und Ambrosia.

Meine Mutter hat ebenfalls zwei nicht zu unterschätzende Handicaps: Sie gehört noch zu der Generation, die den Krieg mitgemacht haben und ist sie in der DDR groß geworden. „Wir hatten ja nichts“ war und ist schon so sehr Programm, dass Genügsamkeit einfach dazu gehört. Für meine Mutter ist alles, was im Bocksbeutel verkauft wird, „guter Wein“ - manchmal kauft sie offenbar echte Perlen, manchmal … eben nicht!

 

Ahnungslos im Anbaugebiet

 

Leider hat es auch nichts geholfen, dass ich in einem echten Weinbau-Gebiet aufgewachsen bin - das Einzige, was ich mit dem alten Weinberg unseres Dorfes in Verbindung bringe, sind die halsbrecherischen Schlittenfahrten, die wir als Kinder an seinen winterlichen Hängen zur Mutprobe absolvierten.

Wein sagte mir also zu Beginn nicht viel und meine ersten Kontakte zu Alkohol hatte ich in Gestalt von riesigen Stiefel-Humpen, die nach Heimsiegen unserer Handball C-Jugend vom Wirt der Vereinskneipe mit Radler gefüllt wurden. Keine Ahnung, ob es so etwas heute auch noch gäbe - in den frühen 80ern dachten sich die meisten Erwachsenen in unserer Umgebung noch nicht viel dabei, 14-Jährige abzufüllen.

 

Bella Italia

 

Dennoch habe ich nicht aufgegeben und widmete mich danach noch dem Rebensaft … oder sollte ich Weinerzeugnis sagen? Gut war es jedenfalls nicht, denn wie viele Jugendliche - und dieses Geständnis habe ich inzwischen einigen Menschen entlocken können - war der erste Wein, von dem ich aus vollen Herzen sagte „Der schmeckt mir!“, ein billiger Lambrusco aus einer 1,5 Liter Flasche. Ich war völlig verzückt von meiner Entdeckung und warf meiner Mutter an den Kopf, von Wein ja so gar nichts zu verstehen.

„Diese Italiener“, dachte ich, während der Schaumfusel meinem Körper wahrscheinlich Schreckliches antat „die verstehen einfach zu leben.“ Die heftigen Kopfschmerzen und den leichten Schwindel am Tag danach führte ich zu keiner Zeit auf das schlimme Zeugs, das wirklich nicht viel mit gutem Wein gemein hat, zurück und fühlte mich - immerhin war ich 16 - unglaublich erwachsen und weltmännisch.

Aber auch diese Phase überwand ich und entdeckte … Nein - diese Enthüllung hebe ich mir für die Fortsetzung auf.

 

Aktuell heißt mein Lieblingswein übrigens Riesling Steinberg trocken aus der Aufwind Kollektion vom Weingut Hensel … aber da ich derzeit viel probiere kann sich das schnell ändern.



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