Carménère: Der Rotwein-Stolz von Chile

Die unter Kennern aufgrund ihrer charakteristischen Aromen geschätzte Rebsorte Carménère stammt eigentlich aus Frankreich, wird heute aber überwiegend in Chile angebaut, wo er mit Nationalstolz getrunken wird. Seinen Namen hat der Carménère vermutlich dem tiefen Karminrot seiner Trauben und der rötlichen Blattunterseite junger Triebe zu verdanken. Der dunkelrote Wein beeindruckt mit einem markanten Beerenaroma, in das sich Nuancen von Bitterschokolade und Granatapfel mischen können.

 

Ursprünglich aus Bordeaux

Beim Carménère handelt es sich um eine Kreuzung aus den Rebsorten Cabernet Franc und Gros Cabernet. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Carménère vor allem in Bordeaux angebaut, wo er noch heute für die Herstellung von Cuvées (Verschnitt mehrerer Rebsorten) zugelassen ist. Die Reblauskatastrophe führte zu einer dramatischen Reduzierung der Carménère-Bestände und dem Verschwinden der Rebe aus Frankreich.

 

Ideales Wein-Klima in Südamerika

Ihre Renaissance erlebte die rote, kräftige Traube seit ungefähr 1850 in Chile, wo man weder Reblauskatastrophen noch Temperatureinbrüche fürchten muss, was die hohe Qualität vieler chilenischer Weine erklärt. Gegenwärtig gedeiht der Carménère auf über 7.000 Hektar bestens – vor allem im Central Valley, südlich der Hauptstadt Santiago. Von den Einheimischen wird die Rebe auch als Grand Vidure bezeichnet, was seine Wurzeln in chilenischen Dialekten hat und so viel wie „hartes Holz“ bedeutet. Weitere Anbaugebiete mit verhältnismäßig kleinen Flächen sind neben Italien auch Neuseeland, Australien und natürlich Frankreich, in das die Rebsorte aus Chile reimportiert wurde.

 

Verwandtschaft mit dem Merlot

Fast bis zur Jahrtausendwende wurde der Carménère aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einem Merlot vielerorts für einen besonderen Vertreter dieser Rebsorte gehalten, was erste durch eine DNA-Analyse im Jahre 1994 widerlegt wurde. So stammt der erste offizielle chilenische Carménère der Neuzeit aus dem Jahre 1996. Die Rebstöcke des Carménère sind dafür berüchtigt, bei feuchtkalter Witterung in den Frühjahrsmonaten einen Teil ihrer Blüten abzuwerfen. Bis zur Reife benötigen sie zudem rund drei Wochen länger als vergleichbare französische Rebsorten, wie etwa der Merlot, was unterm Strich zu reduzierten Erträgen in schlechten Jahren führen kann.

 

Runder, geschmeidiger Charakter

Die in Chile aus dieser Rebsorte hergestellten Weine, verfügen über einen eher runden, geschmeidigen, wenn auch etwas dunklen Charakter mit wenig Säure und ein recht angenehmes Beerenaroma, in welches sich je nach Weingut und Lage herbere Aromen mischen können, wie etwa Bitterschokolade aber auch Tabak. Der Ausbau der Rebsorte Carménère erfolgt in Chile in erster Linie reinsortig. Durch die Lagerung in Fässern aus französischer Eiche werden in Südamerika einige sehr interessante, komplexe Weine gekeltert, die in ganz Europa eine kleine Renaissance erleben.

 

Süffiger Begleiter von Geflügel und Pasta

Die Carménère Weine sind reich an Tannin und werden von Kennern als sehr süffig geschätzt. Die Farbe des chilenischen Nationalstolzes ist von einem sehr dunklen, kräftigen Rot. Die Trauben der Rebsorte Carménère entfalten nur in durchgängig warmen Regionen ihre ganze Reife und Klasse, wobei sie nicht mit Tanninen geizen. Der in Chile auch Grande Vidure genannte Carménère ist der ideale Begleiter von Geflügelgerichten aller Art, aber auch von Nudelaufläufen, Pasta Spezialitäten, dunklem Fleisch sowie von reifem Käse.
 


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